• Pastoralraum: Neue Begriffe - Teil 2

  • von Giuseppe Abrami
    Im zweiten Teil unserer Serie möchten wir den Blick weniger auf fachliche Begriffe, sondern vielmehr auf inhaltliche Begriffe lenken: die Ebenen, die über den eigenen Kirchturm hinausschauen. Denn der (lange) Weg hin von einem Pastoralraum zur neuen künftigen Pfarrei, die als Netzwerk von Gemeinden und Kirchorten fungiert, muss geprägt sein von Zusammenarbeit und Miteinander.
    Überall, wo wir gemeinsame Anliegen und Ziele haben, wo wir gemeinsam Kirche sind, stärken uns Zusammenarbeit und Miteinander. Vernetzung ist dann sinnvoll und erfolgreich, wenn gemeinsam etwas besser geht als allein. In Vernetzung und Zusammenarbeit können besonders die kirchlichen Grunddienste, nämlich die Praxis der Nächstenliebe, die Bezeugung des Glaubens, die Feier des Glaubens im Gottesdienst und die Gemeinschaft mit Christus und unter­ einander sowie die im Pastoralen Weg definierten Optionen für die Armen, für die Jugend, für die Familien und für die älteren Menschen im Blick sein. (Aus: Handreichung Phase II. Bistum Mainz, Seite 22ff)
    Solche Vernetzungen geschehen auf drei Ebenen, die auch ineinandergreifen, sodass Vernetzung noch intensiviert werden kann. Doch welche Ebenen sind dies genau?
    1. Ebene: Mehrere Gemeinden arbeiten in der Pfarrei zusammen
    Gemeinden sind (Teil-)Gemeinschaften von Gläubigen innerhalb der Pfarrei, die sich um Jesus Christus versammeln. Sie haben den Auftrag, in enger Verbundenheit untereinander und in Zusammenarbeit mit der gesamten Pfarrei die Grund­dimensionen kirchlichen Lebens zu verwirklichen: die Praxis der gelebten Nächstenliebe (Diakonia), die Bezeugung des Glaubens in Verkündigung und Katechese (Martyria) und die Feier des Glaubens im Gottesdienst (Liturgia) sowie dadurch und dabei den Aufbau und die Vertiefung der Gemeinschaft mit Christus und untereinander (Koinonia).
    Im konkreten Gemeindeleben setzen eigene Schwerpunkte, müssen nicht nebeneinander her die gleichen Aufgaben erfüllen. Im Zusammenwirken ergänzen die einzelnen Gemeinden der Pfarrei einander. Seelsorgerinnen und Seelsorger, Räte und Gremien sowie Gruppen arbeiten mit dem leitenden Pfarrer zusammen. Eine gemeinsame Vision stiftet die Identität als Pfarrei: Wie wird das Reich Gottes in unserer Pfarrei konkret erfahrbar?
    Das Pastoralteam unterstützt und ermöglicht das selbstverantwortliche Handeln der Getauften und die Entfaltung der Charismen, begleitet Ehren­amtliche, Initiativen, Gruppen und Kreise. Eine gute und von den Menschen benötigte Seelsorge wird als Kernaufgabe in den Gemeinden wahrgenommen. Gemeinsame Angebote werden miteinander besprochen und ausgehandelt. Das Gemeindeleben wird vor Ort aktiv gestaltet. (ebd., Seite 23)
    2. Ebene: Gemeinden und andere Kirchorte bilden ein Netzwerk
    Zum pastoralen Raum der Pfarrei gehören neben den Gemeinden noch viele andere Kirchorte. Als Kirchort werden im Bistum Mainz alle Einrichtungen und Gruppierungen bezeichnet, die ihren Teil zur Verwirklichung des kirchlichen Auftrags einbringen. Ihr Wirken ist nicht nur vorübergehend und wird öffentlich wahrgenommen und angenommen.
    Spannend wird es, wenn Gemeinden und andere katholische Einrichtungen, Verbände, Gruppen, kategoriale Seelsorge sowie evangelische und andere christliche Gemeinden immer mehr entdecken, wo sie sich gegenseitig ergänzen können und was sie gemeinsam voranbringen möchten. Dabei bewegt uns die Grundfrage: Wie können wir als Kirche gemeinsam mit und für die Menschen da sein? Ein wichtiges Gremium ist hierbei die Pastoralraum­konferenz (ebd., Seite 23).
    3. Ebene: Netzwerke in der Gesellschaft stärken
    In unserer Gesellschaft gibt es viele Menschen, Gruppen, Organisationen und Einrichtungen, die sich für Anliegen engagieren, die wir teilen. Alle kirchlichen Akteurinnen und Akteure sind aufgrund des Sendungsauftrages zu allen Menschen aufgefordert, nicht im kirchlichen Binnenraum zu verbleiben, sondern vorhandene Netzwerke in den Sozialräumen zu unterstützen und sich als Kirche einzubringen. Mit der Haltung einer grundsätzlichen Offenheit und Kommunikations­bereitschaft können dabei runde Tische zu gesellschaftlichen und sozialen Fragen, Kontakte zu Migrationsbeauftragten, Ausländerbeiräten, sozialen Einrichtungen, Hilfsdiensten, Menschenrechts­gruppen, Gruppen in der Flüchtlingshilfe, Gewerkschaften, Betriebsräten, Akteurinnen und Akteuren der Kommunalpolitik u.v.a.m. in den Blick kommen und diese zu Netzwerkpartnern werden. Sozialraumorientierung ist aufgrund der vom Evangelium aufgetragenen Nähe zu allen Menschen Aufgabe aller Gemeinden und Kirchorte.
    Gemeinden und Kirchorte sind selbst Teil von Sozialräumen und kein Gegenüber. Hier teilen wir das Leben mit Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen. Ohne zu vereinnahmen, bringen wir unsere Lebensweise und unser christliches Menschenbild in gesellschaftliche Fragen ein. Wir suchen auch hier verstärkt Formen der Vernetzung und Zusammenarbeit. Miteinander engagieren wir uns für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung (ebd., Seite 23).
     Netzwerk Pastoralraum / neue Pfarrei. Aus: Handreichung Phase II. Bistum Mainz Netzwerk Pastoralraum / neue Pfarrei. Aus: Handreichung Phase II. Bistum Mainz

    Helfen wir alle mit, dass wir die gegenseitige Vernetzung immer öfter praktizieren und wirklich auch anwenden. Hierzu gehört natürlich in erster Linie ein Kennenlernen, ein einander zuhören, miteinander und nicht übereinender Sprechen, in zweiter Linie miteinander diskutieren, beraten, grübeln, sachlich streiten und sich einigen, um dann in dritter Linie, gemeinsam anzupacken, zu organisieren, unterstützen, wertschätzen und miteinander Gemeinschaft sein.
    Bitte wirken Sie alle, in ihren Möglichkeiten, hieran mit!
    Auf unserer Internetseite www.stein-auheim.de wurde nun ein eigener Bereich zu diesem Thema eingerichtet und wir bemühen uns alle Informationen, diese und vorherige eingeschlossen, in übersichtlicher Weise bereitzustellen.
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