Mit diesem Stichpunkt sind wir beim zweiten Aspekt der Theologie der Eucharistie, der Selbsthingabe, dem Opfer Jesu. Die Eucharistie vergegenwärtigt, erinnert und wendet der feiernden Gemeinde das Kreuzgeschehen zu. Was heißt das? Vor allem der Hebräerbrief macht deutlich, dass Jesu Leben und Sterben eine Opfergabe ist. Diese Opfergabe macht Gott für den Menschen, um uns die Versöhnung zu schenken. Uns Christen bleibt nur, diese Gabe Gottes wahrzunehmen, zu empfangen und ihm dafür zu danken. In der Eucharistie machen wir uns bewusst, dass Gott uns diese Gabe (Jesu Kreuzestod) geschenkt hat (Vergegenwärtigung) (Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Deines Sohnes. - 2. Hochgebet), wir erinnern uns in Dankbarkeit an dieses Geschehen und im Empfang der Speise erhalten wir seine Zuwendung.
Aber es geht auch um unsere Antwort. In der Teilhabe am eucharistischen Mahl sollen auch wir uns den anderen Menschen darbringen. Damit sind wir beim dritten Kernpunkt eucharistischer Theologie: der Gemeinschaft seines Leibes. Durch das eucharistische Mahl gehen Jesus Christus und die Christen untrennbar ineinander über. Die Gemeinschaft derer, die zum Mahl gehen, soll nicht nur im gemeinsamen Kommuniongang deutlich werden, sondern im täglichen Miteinander. Dies, die eigentliche Kommunion, ist wohl der Höhepunkt des eucharistischen Sakramentes.
Auch hier seien noch kurz einige Anmerkungen zur Ökumene gemacht. Gerade auf der Ebene des eucharistischen Mahles wird die Trennung der Kirchen besonders schmerzlich. Denn aus katholischer Sicht gibt es auf dieser Ebene noch zu wichtige, trennende Unterschiede, als dass eine Eucharistiegemeinschaft ohne weiteres möglich wäre. Der Empfang des evangelischen Abendmahles durch einen Katholiken ist vor allem deshalb kein gleichwertiger Ersatz für die Eucharistie, weil es doch erhebliche Differenzen in Bezug auf das Vorsteheramt und das Weihesakrament gibt und auch der Stellenwert der sonntäglichen Eucharistiefeier ganz anders ist als der des Abendmahles. Dass ein evangelischer Christ die katholische Kommunion empfängt, ist auch nicht die Regel, in Notfällen (Krieg, Gefängnis, Verfolgung) oder bei anderen ausreichenden Gründen aber möglich. Zu fragen ist da zum Beispiel, ob eine konfessionsverschiedene(verbindende) Ehe nicht schon ein solcher ausreichender Grund ist. Auch hat Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Ecclesia eucharistia festgestellt, dass ein nichtkatholischer Christ unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. dringendes Bedürfnis, kein Aufsehen erregen, Anerkennung und Akzeptierung der katholischen Sichtweisen zur Eucharistie) die Kommunion wohl empfangen darf.
Die Eucharistie ist ein Zeichen der Einheit; diese Einheit ist jedoch zurzeit noch nicht gegeben. Eucharistie kann aber auch als Mittel, als Werkzeug zur Einheit dienen. Hierbei ist zu bedenken, dass Einheit keinesfalls als Uniformität in Theologie und Ritus missverstanden werden darf (was ja an der Einheit mit einigen orthodoxen Kirchen deutlich wird). Beide Seiten müssen weiter im Gespräch bleiben und nach Wegen suchen, um sich aufeinander zuzubewegen.
5. Die Buße - das Sakrament der Versöhnung
In seinem Leben erfährt der Mensch oft eine Entfremdung von sich selbst, eine Entfremdung untereinander und eine Entfremdung von der Umwelt. Theologisch nennen wir eine solche Entfremdung Sünde, die Erfahrung von Sünde nennen wir Schuld.
Diese Schulderfahrung kann der Mensch verdrängen. Dafür kennt er die verschiedensten Mechanismen, die in unserer modernen Zeit zunehmen. Andererseits kann der Mensch nach dem Ursprung der Sünde fragen und danach, wie er wieder heil aus dieser Unheilssituation herauskommt.
Vor allem die zweite Frage ist für uns Christen wichtig.
Schon im normalen menschlichen Umgang machen wir folgende Erfahrung: Ich verletze jemanden sehr - ich bemerke dies - es tut mir leid - ich bitte um Vergebung. Das nun folgende, Entscheidende geht nun nicht mehr von mir aus, es muss mir gesagt werden.
Ist die Vergebung vom anderen zugesagt, dann weiß ich, dass ich trotz meines Fehlers angenommen und bejaht bin. Das wiederum kann mich zum Tun und Dienst für andere befreien, sodass ich nicht mehr um mich kreisen muss.
Neben der persönlichen Vergebung wird uns noch eine zweite Versöhnung angeboten. Diese Versöhnung ist eher eine öffentliche, da jedes Schuldigwerden ein öffentliches Geschehen, ein Geschehen am Mitmenschen ist. Gottes Versöhnung wird durch den Dienst der Kirche, durch den Dienst derer, die dazu beauftragt sind, uns Menschen zugesagt.
Buße und Erneuerung, Neuanfang und Wiedergutmachung geschieht schon im Alten Bund in der Gemeinschaft des gesamten Volkes. Das geschah in einer konkreten Form einer kultisch-rituellen Bußform (Sündenbock). Mit der Zeit wurde jedoch die Gefahr immer größer, dass der äußerliche Vollzug ohne Inhalt geschah, trotz aller Warnungen durch die Propheten.
Umkehr und Neuanfang stehen auch im Mittelpunkt der Predigt Jesu: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Bekehrt Euch und glaubt an das Evangelium! lautet seine Grundbotschaft.
Umkehr und Evangelium bedingen einander: Gott kann sich nur dem zuwenden, der seine Botschaft hört und ihr glaubt. Diese Zuwendung zu Gott, diese Umkehr geschieht nur durch die Gewissheit, dass dem Menschen klar ist, er wird auch aufgenommen.
Durch Jesu konkrete Zuwendung zum Menschen erfährt der Mensch die Überwindung seiner heillosen Situation, erfährt er Vergebung.
Fortsetzung in der nächsten Ausgabe ...