• Mitmachen

  • von Wolfram Schmidt
    Ach, wie ist heute doch vieles so einfach und selbstverständlich: wir sitzen zu Hause im Sessel oder auf dem Sofa, vielleicht sogar noch am Schreibtisch, der Magen beginnt zu knurren, doch der Blick in den Kühlschrank und die Vorratskammer offenbart: da ist nicht mehr viel vorhanden. Vielleicht reicht auch das Zeitbudget oder der Lustpegel nicht aus, jetzt noch groß einzukaufen und anschließend aufwändig zu kochen. Entweder wird die Mahlzeit sehr bescheiden - oder: da gibt es doch inzwischen diese Lieferdienste! Ein kurzer Anruf, schnell die Lieblingsspeise ausgewählt und bestellt, in Kürze ist der Teller gedeckt und der Hunger gestillt.
    Auch anderweitig ist es heute ein Leichtes, dass wir selbst gar nicht mehr so viel tun müssen, um unsere unterschiedlichsten Bedürfnisse und Erwartungen zu stillen. Da sind auch im Gemeinde- und Glaubensleben noch viele Selbstverständlichkeiten: an jedem Sonntag (wenn es geht zur Wunschzeit) die Messfeier; die traditionellen Prozessionen zur Kreuzwallfahrt oder an Fronleichnam; Andachten zu allen möglichen Anlässen und Zeitpunkten; der Herr Pfarrer kommt zum runden Geburtstag und gratuliert; das Pfarrfest bietet drei Tage lang Unterhaltungs- und Begegnungsmöglichkeiten (und bringt auch noch erkleckliche Gewinne für den Gemeindehaushalt ein); die Pfarrsekretärin ist fünf Tage in der Woche zu allen Zeiten erreichbar; Küster und Küsterin sowie der Hausmeister sorgen immer für eine geschmückte Kirche und ein sauberes Umfeld; Jugend- und Kindergruppen bieten ein vielfältiges Programm für den Nachwuchs; ein Kirchenchor und eine Kirchenmusik gestalten in Kompaniegröße vielfältige Gottesdienste mit; das Pfarrblatt liegt pünktlich im Briefkasten und informiert über alles Wissenswerte ...
    Alles selbstverständlich?
    Schon früher war es das nicht. Denn für alle diese Aktivitäten standen immer schon viele Menschen, die sich entsprechend aktiv in das Leben eine Gemeinde eingebracht haben, die mitgemacht haben. Und es gibt sie heute dankenswerterweise immer noch! Nur ist heute - im Vergleich zu früheren Zeiten - ein gravierender Unterschied festzustellen: es sind nicht mehr so viele, die mitmachen (können). Und damit werden alle diese Selbstverständlichkeiten nicht mehr selbstverständlich.
    Es gibt viele Gemeindemitglieder, die in diesen vielfältigen Tätigkeitsbereichen alt geworden sind, die sich jahre-, vielleicht sogar jahrzehntelang eingebracht haben - und heute einfach nicht mehr können! Andere würden gerne mitmachen, doch stellen Beruf und Familie in unserer Zeit ganz andere Anforderungen, so dass viele gar keine Möglichkeiten mehr haben, längerfristig ein Ehrenamt in der Gemeinde (oder in einem Verein, einer Partei, ... ) zu übernehmen. Und auch das müssen wir feststellen: Glaube und Gemeinde spielen im Leben vieler Menschen nicht mehr die Rolle, wie sie das vor 50 Jahren noch taten.
    Es braucht aber nach wie vor Menschen aus der Gemeinde, die neben Beruf, Familie und eigenen Hobbys bereit sind, Zeit und Energie zu investieren, damit das Leben der Kirchengemeinde lebendig bleibt. Und das gilt inzwischen sogar für Bereiche, die in früheren Zeiten nur den Hauptamtlichen (Pfarrern und Gemeindereferentinnen) vorbehalten waren. Die große Frage hieß schon immer und heute verstärkt: wer ist dazu bereit?
    Um einem Missverständnis vorzubeugen: wir suchen kein Dauerabonnement im Ehrenamtsengagement, Sie brauchen Ihr Bett nicht in Kirche oder Pfarrheim aufzustellen! Eine Tätigkeit reicht, gleich ob einmalig oder auch regelmäßig. Entscheidend ist, mitzumachen!
    Und die Möglichkeiten sind breit gestreut, aktiv zu werden:
    • nach wie vor suchen wir Redakteure für unseren Pfarrbrief - es geht um das Schreiben und Redigieren von Artikeln für dieses Heft, das Sie in Händen halten.
    • auch Austrägerinnen des fertigen Pfarrbriefes werden gesucht - wie wäre es, den täglichen Gassigang mit dem Hund alle drei oder vier Wochen mit dem Austragen zu verbinden?
    • die Grün- oder auch die Sauberkeitspflege rund um die Kirchen braucht einen regelmäßigen Einsatz - bestehende Gruppen freuen sich über eine Auffrischung der Kräfte.
    • die Planungs-, Vorbereitungs- und Durchführungsgruppen der Pfarrfeste sind inzwischen so klein geworden, dass die Feste selbst zur Disposition stehen.
    • die Kirchenchöre der drei Gemeinden und die Excelsa freuen sich immer über junge Stimmen und neue Musikerinnen, die zur Stärkung der musikalischen Fähigkeiten beitragen.
    • weitere Gruppen für die Liturgie (z.B. Kinder- und Familiengottesdienstkreise, Messdienergruppen) brauchen (zum Teil große) Verstärkung.
    • wichtig sind in Zukunft Sicherheitskräfte, die unsere Prozessionen (Fronleichnam, Kreuzwallfahrt, Kreuzweg in der österlichen Bußzeit) verkehrstechnisch absichern. Diese Kräfte werden vom Ordnungsamt der Kommune eingefordert, damit wir die Genehmigungen zum Abhalten der Prozessionen überhaupt erhalten!
    • die Personaldecke unserer demokratischen Mitsprachegremien der Kirchengemeinden (insbesondere im PGR, auch im VWR von St. Nikolaus, Ortsausschüsse) ist sehr dünn - angesichts der anstehenden Aufgaben in Gemeinde und Pastoralraum schon überfordernd! Mitmachen und Mitentscheiden ist durch eine einfache Nachwahl jederzeit möglich.
    • Sternsingeraktion, Sakramentenkatechese (Erstkommunion und Firmung), Verwaltung des KVH, Besuchsdienste, Seniorenkreise, Verbände (kfd, Kolpingfamilie), Büchereiteams, Caritasgruppen, Zeltlager- und Freizeitteams, Fördervereine - auch diese Liste lässt sich noch verlängern. Es sind alles Bereiche und Gruppen, die sich über Menschen freuen, die mitmachen wollen.

    Interesse? Kontakte können die Pfarrbüros und die Hauptamtlichen vermitteln (und vielleicht kennen Sie den einen oder die andere, die schon aktiv ist).

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