Nun gibt es in der Kirche Träger von besonderen Aufgaben. Die gab es von Anfang an. Das Neue Testament spricht kein einziges Mal von ihnen als Priester. Und das war ganz normal, denn so setzte die Urkirche ihre Amtsträger deutlich von den Priestern der heidnischen Kulte ab. Die Amtsträger wurden Episkopen (Aufseher), Presbyter (Älteste) und Diakone (Diener) genannt. Ihr priesterlicher Dienst bestand zuallererst darin, den priesterlichen Dienst Jesu Christi durch ihr Handeln den Menschen und der Kirche zu vermitteln. Erst als das Bewusstsein in der Kirche stärker wurde, dass die Eucharistiefeier die stärkste Vergegenwärtigung von Jesu Botschaft und Tun ist, wurde die Feier der Eucharistie zu einem besonderen Dienst der Amtsträger.
Das Wort Priester hat sich in der Kirche jedoch im Laufe der Zeit zu sehr auf die Träger des besonderen Dienstamtes beschränkt. Das Wort Priester ist als Bezeichnung für die Person, der die Dienste von Verkündigung, bevollmächtigter Lehre, Zusprechen von Sündenvergebung, Leitung der Gemeinde und vor allem Leitung der Eucharistie vollzieht höchst unglücklich. Die Rede vom Priestertum Jesu Christi - besonderes Dienstamt wäre sicherlich besser. Doch ist es sehr schwer, den alten, alteingesessenen Sprachgebrauch zu ändern. Von daher ist es umso wichtiger, die Inhalte der Sache zu kennen.
Wie die Apostel sind alle Christen von Jesus gesandt. Alle Christen haben den Auftrag, Zeugen von Leben, Tod und Auferstehung Jesu zu sein. Somit stehen alle Christen in einer apostolischen Nachfolge, apostolischen Sukzession. Das gilt auch für die Träger der besonderen Dienste, die durch ein besonderes Zeichen, die Handauflegung, in einer engeren Sukzession der Apostel stehen.
Jesus hat Menschen in seine Nachfolge gerufen. Aber schon bei ihm war Nachfolge nicht gleich Nachfolge. Neben denen, die er zum Glauben an das Evangelium aufrief, hat er eine besondere Gruppe von Menschen erwählt, mit ihm zu gehen. Er hat sie in den Dienst genommen, an seiner Aufgabe mitzuarbeiten. Aus dieser Schar der Jünger hat er einen weiteren Kreis geschaffen: die Gruppe der 12 Apostel. Dieser Kreis hat in der Kirche keine direkte Fortsetzung gefunden. Die Zwölf sind mit ihrem Osterzeugnis die einmalige Grundlage des Glaubens. Die Weitergabe dieses apostolischen Glaubens geschieht durch viele Menschen und viele Dienste.
In der frühen Christenheit gibt es eine große Bandbreite von Diensten und Funktionen, die aus vorgegebenen Formen der religiösen und gesellschaftlichen Umwelt übernommen und umgeformt oder auch neu erfunden und erprobt wurden. Zu nennen wäre da zum Beispiel der Ältestenrat, Propheten- und Lehrerdienste, der Siebenerkreis (vgl. Apostelgeschichte).
Nach dem Tod der Apostel stellte sich vor allem die Frage nach dem Dienst der führenden Nachfolgeposition. Aus dieser Frage entwickelte sich als Antwort die Stellung des Dienstes eines Episkopen heraus. Der Episkop (heute: Bischof) füllte vor allem eine einheitsschaffende, einheitsbewahrende Rolle aus. Insgesamt bildete sich in den ersten beiden Jahrhunderten langsam eine Zu- und Unterordnung der Dienste aus, vor allem auch der Ämter (Ämter als Dienste, die die gesamte Gemeinde betreffen und auf Dauer von ihren Trägern wahrgenommen werden).
Die Übertragung der Ämter greift von Anfang an das alttestamentliche Zeichen der Vollmachtsübertragung auf: die Handauflegung. Neben dem Sinn der Übertragung einer Aufgabe und der dazugehörenden Vollmacht erhält dieses Zeichen noch einen weiteren Inhalt: in diesem Zeichen wirkt der Heilige Geist (diese Deutung ist uns schon bei der Firmung und der Krankensalbung begegnet). Rasch wird die Handauflegung zur Einsetzung einer Person in ein Amt zum Zeichen der Ordination, der Weihe. Primäre Aufgabe eines so Ordinierten ist das Lehramt, die bevollmächtigte Verkündigung des Evangeliums vor der ganzen Gemeinde. Erst dann folgen die administrativen Befugnisse und die gottesdienstlich-liturgischen Funktionen.
Erst das Konzil von Trient (16. Jahrhundert) versuchte eine erste Systematisierung der Theologie des Weihesakramentes. Aber das war sehr schwer, da dieses Thema gleich in kirchenpolitisches Fahrwasser geriet (Spannungen zwischen Papsttum und konziliaren Ideen und anderes). So blieb die Antwort auf die reformatorischen Angriffe fast ohne systematische Basis. Es wird festgestellt, dass es ein spezielles Priestertum mit geistlichen Vollmachten gibt, das durch die Weihe übertragen wird. Durch die Weihe bedingt gibt es eine hierarchische, das heißt herrschaftliche Struktur. An der Spitze stehen die Bischöfe, dann die Priester und dann die Diener. Allerdings: als Weihesakrament galten die drei Stufen Subdiakonat, Diakonat und Presbyterat. Die Bischofskonsekration war zeitweise ein eigenes Sakrament, stand dann lange Zeit außerhalb der Sakramentalität.
Erst das Vaticanum II. (1963-1965) brachte eine Systematisierung, die den Gegebenheiten der geschichtlichen Entwicklung entsprach. Der kirchliche Dienst, das kirchliche Amt als solches ist dem Willen Jesu hervorgegangen. Dieser Dienst wird in verschiedenen Ordnungen, Stufen versehen. Die Fülle, Vollständigkeit des Weihesakramentes liegt im Dienst des Bischofs, der den vollen Anteil am Dienst Jesu Christi hat. Einen Anteil an diesem Dienst Jesu haben die Priester, die ihren Dienst zugleich als Mitarbeiter des Bischofs versehen. Sie tun ihren Dienst für das Ganze der Kirche, gesandt durch den Herrn selbst. Priestersein, Bischofsein ist keine persönliche Würde, die den Betroffenen heraushebt (von daher ist das ganze Titelpanoptikum der Kirche, angefangen von Hochwürden, Ehrwürden bis hin zu Heiliger Vater nur menschlicher Tand), sondern eine Inanspruchnahme für den Dienst am ganzen Volk Gottes. Aufgaben sind vor allem Verkündigungsdienst (nicht nur in der Predigt), der Heiligungsdienst (die Spendung der Sakramente) und der Leitungsdienst. Die dritte sakramentale Stufe ist die Weihe zum Diakon, die vom Konzil wiederbelebt wurde zum eigenständigen Dienstamt. Das Diakonat war jahrhundertelang nur eine Durchgangsstufe zum Priestertum - nun hat der ständige Diakon ein eigenes Aufgabenfeld.
Fortsetzung folgt dots