• Wenn der Himmel die Erde berührt Aufbruch in die Weite

  • von Karola Emge-Kratz( Gemeindereferentin)
    Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir an Christi Himmelfahrt oft so wehmütig nach oben starren? Die Apostelgeschichte beschreibt Männer in weißen Gewändern, die die Jünger sanft zurechtweisen: Was steht ihr da und schaut zum Himmel? (Apg 1,11). Für mich als Seelsorgerin liegt in dieser Frage eine wunderbare Provokation.
    Himmelfahrt ist kein Abschiedsspektakel, bei dem Jesus in den Wolken verschwindet wie ein Luftballon, den man versehentlich losgelassen hat. Es ist vielmehr ein Platzwechsel. Gott zieht sich nicht zurück, er schafft Raum. Er macht Platz für uns – für unsere Verantwortung, unser Handeln und unsere Stimme hier auf der Erde. Aus weiblicher Sicht lese ich Himmelfahrt gerne als eine Form der Entwöhnung, die Reife ermöglicht: Der Meister geht, damit die Jüngerinnen und Jünger endlich selbst laufen lernen. Doch wir werden nicht als Waisen zurückgelassen. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten liegt eine Zeit des Wartens, die mich an eine Schwangerschaft erinnert: Etwas Neues ist bereits da, aber noch nicht greifbar.
    An Pfingsten bricht sich dieses Neue dann Bahn. Der Heilige Geist – im Hebräischen die Ruach, ein weibliches Substantiv, das Lebensatem und Schöpferkraft bedeutet – weht den Staub aus unseren festgefahrenen Strukturen. Pfingsten ist das Fest der Vielstimmigkeit. Es geht nicht darum, dass alle dasselbe sagen, sondern dass wir uns trotz unterschiedlicher Sprachen und Lebensentwürfe verstehen. Die Ruach steht für die Kraft, die alles lebendig macht. Diese Kraft ist keine stille Brise; sie ist ein Sturm, der Türen aufreißt und Sprachbarrieren bricht.
    Pfingsten erinnert uns daran, dass Kirche dort lebendig ist, wo wir die Vielfalt feiern. Der Geist schenkt jedem und jeder von uns Begabungen – unabhängig von Amt oder Herkunft. Wir sind gerufen, diese pfingstliche Freiheit zu nutzen: um mutig neue Wege zu gehen, um dort hinzuschauen, wo Menschen Hilfe brauchen und um unsere Kirche als einen Ort zu gestalten, an dem sich jede Stimme willkommen fühlt.
    Die Ruach ist eine Grenzgängerin. Sie lässt sich nicht in Dogmen einsperren und fragt nicht nach dem Weiheamt, wenn sie Menschen begeistert. Für mich ist Pfingsten deshalb das Fest der kirchlichen Ermächtigung: Der Geist ruht auf Allen  – den Söhnen wie den Töchtern.
    Feiern wir in diesen Wochen also nicht das Vergangene, sondern die Gegenwart dieser Kraft. Lassen wir den Blick vom Himmel zurück auf die Welt gleiten. Dort, wo wir für Gerechtigkeit aufstehen, wo wir trösten und wo wir mutig neue Wege in unserer Kirche gehen, genau dort berührt der Himmel die Erde.
    Ich wünsche Ihnen für die kommenden Festtage, dass Sie diesen frischen Wind der Ruach in Ihrem Alltag spüren. Möge der Himmel für Sie in diesen Tagen besonders oft die Erde berühren. Was steht ihr da und schaut zum Himmel? Diese Frage der Engel an Christi Himmelfahrt gilt auch uns. Oft suchen wir Gott in weiter Ferne, dabei feiert Christi Himmelfahrt eigentlich einen Perspektivwechsel: Jesus entzieht sich unseren Augen, um uns durch seinen Geist ganz nahe zu sein – nicht mehr an einen Ort gebunden, sondern mitten unter uns.
    Für mich ist diese Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten eine Zeit der heiligen Zwischenräume. Es ist wie ein tiefes Luftholen. Im Abendmahlssaal warteten die Jünger gemeinsam mit den Frauen und Maria auf das, was kommen sollte. Sie hielten das Ungewisse aus. An Pfingsten erfahren wir dann die Antwort auf dieses Warten.
    Feiern wir in diesen Wochen also nicht ein fernes Ereignis, sondern die Kraft im Hier und Jetzt. Wo wir für Gerechtigkeit aufstehen, wo wir trösten und mutig neue Wege in unserer Gemeinde gehen, genau dort berührt der Himmel die Erde.
    Viel zu oft starren wir zum Himmel und warten auf ein Zeichen, während die Welt unter unseren Füßen nach Veränderung ruft.
    • Christi Himmelfahrt ist kein Abschied, sondern der Startschuss für unsere eigene Verantwortung.
    • Pfingsten ist die Antwort darauf: Gottes Ruach – seine weibliche, schöpferische Geistkraft – weht, wo sie will. Sie macht uns Mut, die Stimme zu erheben und Kirche lebendig zu gestalten.

    Lassen wir uns begeistern? Der Himmel beginnt dort, wo wir einander verstehen.
    Herzliche Einladung zu unseren Gottesdiensten!

    News und Ankündigungen

  • Frauenwallfahrt zur Liebfrauenheide

  • von Simona Weber