• Die Sakramente (Teil 10)

  • von Wolfram Schmidt
    Das Weihesakrament vermittelt (wie die Taufe und Firmung) eine unauslöschliche Wirkung. Neben der Bedeutung einmal gespendet, braucht es keine Wiederholung dieses Sakramentes heißt unauslöschliche Wirkung, unauslöschliches Merkmal vor allem, dass der einmal von Jesus Christus in Dienst genommene Mensch für immer ein Werkzeug Gottes ist, auch wenn er ein Sünder ist. Das Weihesakrament vermittelt keine persönliche Heiligung (der Geweihte ist und bleibt ein Mensch mit Fehlern und Macken), auch keine Absonderung und Aussonderung von der Gemeinde (der Geweihte gehört in die Gemeinde als eine Art primus inter pares - Erster unter Gleichen). Natürlich sollte eine Entsprechung zwischen Aufgaben des Amtes und der Persönlichkeit angestrebt werden, aber die priesterliche Wirksamkeit hängt nicht davon ab, ob die Entsprechung gelingt.
    Brisant sind manche Auswahlkriterien zur Zulassung zur Weihe: der zu Weihende muss männlich und unverheiratet sein. Die dazugehörigen Diskussionen waren schon immer, sind es zurzeit sehr stark und werden immer aktuell bleiben.
    Zum Zölibat: in den ersten Jahrhunderten waren alle Amtsträger verheiratet, Bewährung in Ehe und Familie waren zum Teil sogar Eignungskriterien für den kirchlichen Dienst (vgl. 1 Tim 3, 2-5.12). Erst das erste Laterankonzil 1139 schrieb vor, dass Priester ehelos leben sollen. Der Zölibat ist also ein menschlich-kirchliches Gesetz, das nicht zum Weihesakrament wesensnotwendig dazugehört.
    Das Problem ist die zum Regelfall erhobene Kopplung von Dienstamt und Ehelosigkeit. Bei allen Überlegungen zu diesem Themenbereich ist in jedem Fall zu beachten, dass nicht irgendwelche persönlichen Probleme wichtig sind, sondern die Antwort auf die Frage, was wichtiger ist - die kirchliche Primärfunktion der Wahrnehmung des priesterlichen Dienstes oder das sekundäre Merkmal der Ehelosigkeit? Wenn vor lauter Mangel an ehelosen Priestern die Primärfunktionen in vielen Gemeinden nicht wahrgenommen werden können, aber gleichzeitig viele verheiratete Männer in Seelsorge und Verkündigung schon tätig sind, dann ist etwas faul im System der Kopplung von Dienstamt und Ehelosigkeit.
    Der Zölibat gilt nicht für ständige Diakone, die zum Zeitpunkt ihrer Weihe schon verheiratet sind. Die orthodoxen Kirchen kennen den Zölibat nur für Mönche und Bischöfe. Protestantische und altkatholische Pfarrer, die katholisch werden, dürfen als Priester in ihrer Ehe weiterleben.
    Zur Weihe von Frauen: diese Fragestellung ist erst neuerer Art, bedingt durch die neuzeitliche Sicht der Stellung von Frauen in der Gesellschaft. Selbst die päpstliche Bibelkommission hat bestätigt, dass es aus biblischer Sicht keine Gründe gegen die Weihe von Frauen gibt. Auch theologisch steht nichts im Wege. Wenn mit Tradition argumentiert wird, dann schwingen wohl vor allem psychologische und pastorale Vorbehalte mit.
    Noch ein kurzer Blick in die Ökumene: die orthodoxen Kirchen sehen Bischöfe und Priester ähnlich wie wir Katholiken. Papst Leo XIII. bestritt die Gültigkeit der angelikanischen Bischofsweihe. Doch ist eine Annäherung in dieser Frage gut möglich. Im Verhältnis zu den reformierten Kirchen sind die Unterschiede in der Amtstheologie teilweise noch recht groß. Vor allem ist die Tradition der Handauflegung durch einen Bischof seit der Reformation abgerissen. Jedoch zeigt sich in den ökumenischen Konsenspapieren eine Bewegung aufeinander zu. Unterschrieben von katholischen und protestantischen Theologen können diese Konsenspapiere ohne große Schwierigkeiten als Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen zum Weihesakrament betrachtet werden.

    8. Die Ehe


    Die Verbindung von Frau und Mann zur Lebensgemeinschaft ist in allen Kulturen der Menschheit schon immer mit irgendwelchen religiösen Symbolen begangen worden. So kann die Ehe als eine Art Natursakrament bezeichnet werden, wie es Joseph Ratzinger tat.
    Die Gestaltung der Ehe war und ist allerdings oft sehr unterschiedlich. Das wird auch im Alten Testament deutlich. Neben der Monogamie (Einehe) gab und gibt es unterschiedliche Formen der Polygamie (Mehrehe). Dabei wird insgesamt deutlich, dass Männer und Frauen nicht auf gleicher Stufe stehen. Selbst im christlichen Bereich hat es unterschiedliche Formen gegeben („Da Du nach unserer Anweisung in Sachen der kirchlichen Disziplin fragst, wollen wir mit der ganzen Autorität der apostolischen Tradition aufstellen, an was Du Dich halten sollst, wobei wir freilich nicht aus unserer eigenen Unzulänglichkeit sprechen, sondern gestützt auf die Gnade dessen, der dem Stummen den Mund öffnet … Wenn eine Frau durch Krankheit nicht fähig ist, dem Mann die Wahrnehmung seiner ehelichen Rechte zu gestatten, so ist es am besten, wenn er ihr fernbleibt und Enthaltsamkeit übt. Da dies aber nur Männer von hohen Idealen halten können, ist es die beste Lösung , dass er eine andere Ehe schließt. Dennoch soll er weiterhin die kranke Frau unterstützen, wenn sie sich die Krankheit nicht durch eigene Schuld zugezogen hat. ... Dies, lieber Bruder, ist das, was aus der Autorität des apostolischen Stuhles zu sagen ist.“ - Brief Gregors II. an Bonifatius vom 22.11.726; Polygamie war bei einigen germanischen Stämmen Brauch und Sitte - dieser Brief ist eine missionarische Anpassung an landesübliche eheliche Bräuche).
    Das heutige Verständnis von Ehe (bleibende emotionale Liebe, interpersonales Verhältnis in gegenseitiger Erfüllung) ist das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung in bestimmten Kulturkreisen.
    Aber, die Ehe- und Familienvorstellungen der Gesellschaft befinden sich in einem großen Umbruch. Aus dem Gleichgewicht zwischen Ehe als Lebensgemeinschaft und der Ehe als Ort von Zeugung und Aufziehen von Nachkommen wird mehr und mehr die gesellschaftliche Komponente betont. Auch die Sexualmoral befindet sich in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Beide Felder kumulieren in zwei Fragen, die die Gemüter sehr erhitzen: die Frage nach der Unauflöslichkeit der Ehe (Ehe als gesellschaftlicher Vertrag) und der Fragenkomplex nach der Geburtenregelung.
    Fortsetzung und Abschluss folgt
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