• Editorial

  • von Wolfram Schmidt
    Ein Markenkern unserer katholischen Gemeinschaft sind unsere Gottesdienste, die wir feiern. In ihnen kommt unsere Gemeinschaft zusammen, um an Gottes Heilstaten zu erinnern, um sie zu vergegenwärtigen, um Gott zu loben, zu preisen und selbstverständlich auch, um ihm unsere Bitten vorzutragen. Im Laufe der fast zwei Jahrtausende des Christentums haben sich viele unterschiedliche Formen von Gottesdiensten herausgebildet. Sie alle haben ihre Berechtigung und ihren Wert.
    Höhepunkt und Mittelpunkt unserer gottesdienstlichen Feiern ist natürlich die Messfeier, in der wir nicht nur das Wort Gottes hören, sondern auch seine Gegenwart in Brot und Wein leibhaft begehen. Eine unabdingbare Voraussetzung für diese Feier ist die Anwesenheit eines geweihten Priesters, der nicht nur Vorsteher dieser Feier ist, sondern auch kraft seiner Weihe in persona Christi agiert.
    Das hat allerdings in unserer Zeit eine unangenehme Folge: da es bedauerlicherweise immer weniger Priester in Deutschland gibt, ist nicht mehr in allen Gemeinden die regelmäßige Messfeier möglich. Und die Situation wird sich in den nächsten 7 Jahren drastisch verschärfen, wenn die Priester der geburtenstarken Jahrgänge das Pensionsalter erreichen - so wird es in 2032 in unserem Bistum Mainz nur noch etwa 65 Diözesanpriester unter 68 Jahren geben (= mögliches Pensionsalter). Damit ist ersichtlich, dass es in vielen Ortsgemeinden keine Priester vor Ort mehr geben wird, die im Pfarrdienst stehen, die für die Anzahl der Messfeiern in gewohntem Angebot zur Verfügung stehen. So werden in unseren 11 Ortsgemeinden des Pastoralraumes Mainbogen (laut aktuellem Stellenplan) demnächst nur noch 4 Priester im aktiven pastoralen Dienst stehen. Das hat für alle Gemeinden enorme Konsequenzen: es braucht einen neuen Plan für Mess- und andere Gottesdienstfeiern!
    So hat sich seit Anfang 2024 ein Kreis von Frauen und Männern aus dem Pastoralraum regelmäßig getroffen, um einen solchen Plan für Messfeiern in unseren Ortsgemeinden zu entwickeln. Dabei geht es um die Messfeiern an regulären Sonntagen, an Werktagen und an Feiertagen. So wurden Grundgedanken formuliert, auf deren Basis dann die Pläne für Gottesdienste erstellt wurden:
    • Ein erster Grundgedanke ist, dass es keinem Priester zumutbar ist, mehr als zwei Messfeiern am Tag zu begehen (auch das Kirchenrecht sieht das so vor) - auch wenn das in der Vergangenheit nicht immer beachtet wurde (und für den Sonntag zählt da auch die Vorabendmesse dazu!). Und es ist für jede Gemeinschaft wichtig, wenn ein Priester nach der Messfeier nicht gleich mit wehendem Messgewand ins Auto springt und in die nächste Kirche fährt, sondern noch Zeit für Begegnung hat!
    • Der Pastoralraum wurde in vier Regionen unterteilt, in denen die Gottesdienste in je drei Ortgemeinden aufeinander abgestimmt sind. So wird in jeder Region am Wochenende verlässlich eine Messfeier am Vorabend und eine Messfeier am Sonntagvormittag stattfinden - in der dritten Ortsgemeinde wird der Gottesdienst dann eine Wort-Gottes-Feier sein, sodass in allen Kirchen am Sonntag ein Gottesdienst gefeiert werden kann.
    • An den Werktagen soll in jeder Kirche des Pastoralraumes eine reguläre Messfeier begangen werden - gleichmäßig verteilt auf alle fünf Werktage. Dabei wurde versucht, bestehende Gottesdienstzeiten zu übernehmen. Zusätzliche Messfeiern, z.B. für ein Requiem, sind (je nach Zur-Verfügung-stehen eines Priesters) möglich. Dazu kommen die monatlichen Gottesdienste (Mess- und Wort-Gottes-Feiern) in den verschiedenen Alten- und Pflegeheimen, ebenso die Wallfahrtsmessen auf der Liebfrauenheide.
    • Grundsätzlich können andere Gottesdienste (Wort-Gottes-Feiern, Andachten , Stundengebet, Anbetungen) jederzeit gefeiert werden.

    Die Erstellung eines Gottesdienstplanes für die unterschiedlichen Feiertage hat sich natürlich als die größte Schwierigkeit herausgestellt. Gibt es dabei doch ganz unterschiedliche, und zum Teil gegensätzliche Interessen zu beachten. Zum einen hat natürlich jede Ortgemeinde das Interesse, dass die wichtigen Feiertagsgottesdienste in ihrer Kirche begangen werden - andererseits ist auch zu bedenken, wie groß ein Kirchgebäude ist und wie viele Mitfeiernde zusammenkommen (können). Da ist manchmal schon die Quadratur eines Kreises gefordert. Auch wenn zur Zeit der Diskussions- und Entscheidungsprozess für das Gesamtkonzept im Pastoralraum in vollem Gange ist - es gibt auch danach für viele einzelne Details Gesprächsbedarf, dem die Projektgruppe Liturgie auch nachkommt.
    In unserer Pfarrgruppe gibt es zum Thema der Gestaltung des Gottesdienstplanes zusätzlichen Druck: der im Oktober bevorstehende Abschied von Pfarrer Differenz macht eine Neuordnung des Planes nicht erst in 2028 nötig (wenn die neue Pfarrei gegründet wird), sondern schon in diesem Jahr. Auch dazu laufen die Gespräche in den zuständigen Gremien, der Liturgieausschuss hat schon beraten, der Pfarrgemeinderat (PGR) folgt Ende Juni.
    Pfarrer Schmidt ist bereit, die bestehende Sonntags- und Werktagsordnung für die Messfeiern vorerst so beizubehalten, wie sie existiert. Für die Gottesdienstordnung an den Feiertagen greifen wir auf die Planungen im Pastoralraum zurück. Ein Zugeständnis muss seitens der Gemeinden erfolgen: sollte diese Ordnung über die Kräfte des Pfarrers gehen (, der bekanntlich noch mehr Aufgaben hat, als Messfeiern vorzubereiten und zu begehen), ist eine Überprüfung und gegebenenfalls eine Reduzierung dieser Ordnung unumgänglich. Eine detaillierte Übersicht der Gedanken und Gottesdienstpläne im Pastoralraum finden Sie als Aushänge in allen drei Kirchen. Die Übersicht für die Gottesdienste in der Pfarrgruppe finden Sie in dieser Ausgabe des Pfarrbriefs.
    Ein anderes, nicht weniger bedeutendes Thema ist die Zukunft der Gebäude unserer Ortsgemeinden. Nachdem zum Jahresbeginn vor allem über die Kirchen gesprochen wurde, sind nun die Pfarrheime ins Blickfeld gerückt. Auch hier kann der Bestand nicht so erhalten werden, wie er existiert. Das hat schlicht und einfach finanzielle Gründe - es stehen nicht mehr genug Finanzmittel zur Verfügung, um den täglichen Unterhalt oder gar mögliche Baumaßnahmen all dieser Gebäude zu sichern. Dazu hat das Bistum einige Vorgaben gemacht, die wir nun vor Ort im Pastoralraum umsetzen müssen. Und das bedeutet, dass uns allen im Pastoralraum nur noch etwa ein Drittel der Nutzfläche zur Verfügung steht, die wir bisher genutzt haben (bzw. die inzwischen auch lange Zeiten in der Woche leer gestanden haben).
    In Klein-Auheim steht uns zunächst das Don-Bosco-Haus zur Verfügung. Durch die Nutzung vieler Flächen durch die gleichnamige KiTa können wir im Haus vorerst die Räume im Kellergeschoss für gemeindliche Zwecke weiternutzen. Dagegen steht das Kolpingheim komplett zur Disposition - wir werden uns von ihm trennen müssen. Offen bleibt die Zukunft der Räumlichkeiten des Pfarrhauses. Zurzeit steht es im Gespräch als Unterkunft des zukünftigen Zentralbüros der neuen Pfarrei - sollte dieses nicht nach Klein-Auheim kommen, müssen wir uns auch von diesem Haus trennen.
    Das Pfarrhaus in der Albanusstraße (St. Johann Baptist) bleibt so lange gesichert, wie die Pfarrerwohnung genutzt werden kann. Im Kardinal-Volk-Haus können wir langfristig die Räume im Obergeschoss an das Schulamt der Stadt Hanau vermieten, die sie dann komplett nutzen werden für die Ganztagesbetreuung für Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule. Die anderen Räumlichkeiten können für die Zwecke der Steinheimer Gemeinden (auch für St. Nikolaus!) genutzt werden.
    Am größten (und schmerzhaftesten) werden die Einschnitte in St. Nikolaus werden. Für das Pfarrhaus hat sich ein Interessent gefunden, der das Haus komplett mieten will - dazu laufen die Gespräche mit der Stiftung Theresien Kinder- und Jugendhilfe Kreis Offenbach und sind auf einem guten Weg. Auch für das Jugendheim in der Karlstraße hat sich ein Interessent gefunden, der das komplette Haus mieten will - auch hier sind die Gespräche im Gang. Dabei besteht höchstwahrscheinlich die Möglichkeit, dass einzelne Gemeindegruppen auch weiterhin für monatliche Treffen die Nikolausstube nutzen können. Auch müssen noch Wege gefunden werden (erste Ideen dazu gibt es), wo das Kleiderstübchen eine neue Unterkunft finden kann, wo die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Hanau ihren Sonntagsgottesdienst feiern kann (den sie bisher im Jugendheim gefeiert haben). Es gibt also noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen, bis alles vollständig geregelt und erledigt ist - aber die Richtung ist eingeschlagen.
    Wenn alle diese Pläne und Überlegungen umgesetzt werden können, sind wir als Pfarrgruppe in der Lage, unseren Beitrag zu den geforderten Veränderungen im Pastoralraum zu leisten. Die Verantwortlichen, vor allem in den Verwaltungsräten, sind sich bewusst, dass die eine oder andere Überlegung nicht auf Zustimmung aller treffen wird, dass manche Veränderung sehr schmerzhaft ist - sie sind aber unumgänglich, um anderes erhalten zu können. Deshalb: haben wir den Mut zu Veränderungen, damit auch in Zukunft, auf neuen Wegen und in neuen Formen weiterhin Gemeindeleben möglich bleibt.

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