• Atempause

  • von Karola Emge-Kratz( Gemeindereferentin)
    Liebe Gemeinden,
    die Koffer stehen vielleicht schon bereit, der Kalender wird leerer und die Sehnsucht nach einer Atempause wächst. Urlaub ist die Zeit des Loslassens. Wir verabschieden uns vom Takt des Alltags, von To-do-Listen und dem ständigen Funktionierenmüssen.
    Gott selbst hat uns diesen Rhythmus geschenkt. Schon in der Schöpfungsgeschichte segnete er den siebten Tag als einen Tag der Ruhe. Und Jesus lädt uns im Matthäusevangelium ganz bewusst ein: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. (Mt 11,28) Diese Einladung gilt besonders jetzt. Erholen bedeutet, den Ballast der letzten Monate abzulegen, um sich wieder neu mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit Gott zu verbinden.
    Für Familien ist das Loslassen oft eine organisatorische Meisterleistung. Der Druck, im Urlaub alles nachzuholen, wofür sonst die Zeit fehlt, reist heimlich im Gepäck mit. Mein Impuls für Sie: Lassen Sie den Anspruch auf Perfektion los. Wahres Aufatmen entsteht nicht durch ein lückenloses Ausflugsprogramm, sondern durch ungestörte gemeinsame Zeit. Ein verbummelter Vormittag im Schlafanzug, ein spontanes Picknick auf dem Teppich oder das gemeinsame Beobachten von Wolken wiegen schwerer als jeder durchgetaktete Freizeitpark. Trauen Sie sich, Lücken im Tagesablauf zu lassen. In diesen Freiräumen kann die Seele aufatmen, und es entsteht Platz für echte Begegnung und Gottes Gegenwart im Miteinander.
    Erholung ist an keinen bestimmten Ort gebunden, sondern eine Haltung des Herzens. Wer diesen Sommer zu Hause verbringt, hat die wunderbare Chance, die eigene Umgebung ganz neu zu entdecken. Schalten Sie den Automatismus des Alltags bewusst aus. Das gelingt, indem wir feste Routinen durchbrechen. Entdecken Sie Gott im Kleinen und Unscheinbaren: beim ersten Kaffee auf dem Balkon im stillen Morgenlicht, bei einem Spaziergang auf Wegen, die Sie noch nie gegangen sind, oder beim Verweilen in einer kühlen, offenen Kirche am Nachmittag. Wenn wir die Pflichten ruhen lassen und das Handy beiseitelegen, verwandelt sich auch die eigene Wohnung in einen Ort des Rückzugs und der göttlichen Kraft.
    © Karola Emge-Kratz© Karola Emge-Kratz

    Egal, ob Sie in die Ferne reisen oder die Oasen des Rückzugs in den eigenen vier Wänden suchen: Ich wünsche Ihnen die Gnade, ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Legen Sie ab, was Sie beschwert. Möge Gott Ihre Schritte leiten, Ihre Seele mit seiner Erfrischung beschenken und Ihnen die tiefe Ruhe schenken, die Sie spüren lässt, wie bedingungslos Sie geliebt und getragen sind. Kommen Sie behütet, gesegnet und gestärkt durch die Sommerwochen!

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