Veränderung in der Pfarrgruppe - oder: was bleibt möglich?
von Wolfram Schmidt
Liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden unserer Pfarrgruppe,
ich verrate Ihnen ja nichts Neues, wenn ich es nochmals erwähne: Mitte Oktober wird unser Pfarrvikar, Pfarrer Hermann Differenz, in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet – und anschließend Klein-Auheim und Steinheim auch verlassen. Und es ist auch bekannt, dass die Stelle des Pfarrvikars nicht mehr besetzt wird, nicht mehr besetzt werden kann, da es nicht mehr ausreichend Priester im Bistum gibt. Darob könnten wir alle groß ins Lamentieren verfallen und groß aufzählen, was doch so viele lange Jahre möglich war, was uns als selbstverständlich vorgekommen ist und was nun vielleicht in Zukunft nicht mehr möglich ist. Doch was hilft uns das?
Schauen wir doch vielleicht lieber auf all das, was trotz schwindender personeller, finanzieller oder anderer Ressourcen nach wie vor möglich ist, wo sich Chancen und neue Möglichkeiten auftun.
Das wichtigste und sichtbarste Markenzeichen der katholischen Gemeinschaft, die da Kirche genannt wird, sind unsere Gottesdienste. Und das sind nicht nur die Messfeiern, sondern viele andere gottesdienstliche Zusammenkünfte. Hier wird sich vorerst FAST NICHTS ändern. Es bleibt bei unseren vielfältigen gottesdienstlichen Feiern. Im gewohnten Wechselrhythmus feiern wir unsere Messfeiern am Sonntag (einschließlich Samstagvorabend) – die Zeiten wurden vorausschauend schon vor Jahren so angepasst, dass ein Priester alle Messfeiern zelebrieren kann. Es bleibt vorerst ebenso bei allen Messfeiern an Wochentagen (dienstags um 19.00 Uhr in St. Peter und Paul, mittwochs um 9.00 Uhr im Wechsel St. Peter und Paul und St. Johann Baptist (APK), donnerstags um 19.00 Uhr in St. Johann Baptist, freitags um 18.00 Uhr in St. Nikolaus). Auch die Messfeier alle vier Wochen im Haus Raphael am Mittwoch und am Donnerstagmorgen in St. Nikolaus (kfd) bleiben. Wort-Gottes-Feiern, Rosenkranzgebete, Andachten, Anbetungen – auch hier wird es grundsätzlich keine Veränderungen geben. Hier sind wir allerdings – wie schon immer – auf die Mithilfe und Mitgestaltung durch Sie angewiesen. Wer auch immer sich berufen fühlt, einen solchen zu feiern, wird mit offenen Armen empfangen. (In diesem Zusammenhang sei nachgeholt, dass wir aus unserer Pfarrgruppe seit Juni zwei weitere geschulte und vom Bischof gesandte Beauftragte für Wort-Gottes-Feiern haben: Herr Matthias Frericks und Herr Dieter Lanz – für einen nächsten ). Auch die bisher gewohnten Beichtzeiten vor den Vorabendmessen bleiben bestehen. Und dass Pfarrer Schmidt für Taufen, Trauungen und Beisetzungen zur Verfügung steht, braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden.
Einzig die gewohnte Gottesdienstpalette zu den Feiertagen wird ein wenig kleiner werden – darüber wurde schon im Pfarrblatt im Juni ausführlich gesprochen. Aber auch hier gilt: Wenn sich Gemeindemitglieder (Gruppen oder Einzelpersonen) berufen fühlen, gottesdienstliche Feiern ohne Anwesenheit eines Priesters vorzubereiten und durchzuführen – herzlich willkommen! Sollte es sich allerdings zeigen, dass das aktuelle Messfeierprogramm mich zeitlich oder auf andere Weise überfordert, so werde ich mir vorbehalten, an der einen oder anderen Stelle den Rotstift anzusetzen.
Denn es gibt weitere Aufgaben, die wahrgenommen werden: Im weiten Feld der Katechese bleibt es vorerst selbstverständlich bei Kommunion- und Firmkurs – darüber habe ich im letzten Pfarrbrief berichtet. Dazu gehören auch die Feiern von Familiengottesdiensten und die Vorbereitung in den entsprechenden Kreisen. Gerade in Steinheim sind wir dabei, diese Gottesdienste im Wechsel zwischen St. Nikolaus und der Marienkirche zu etablieren. Gerne heißen wir auch in diesen Kreisen Verstärkung immer willkommen!
Ein wichtiger Baustein der pastoralen Arbeit sind unsere Besuchsdienste: Geburtstage, Kranke, Alte (die nicht mehr in die Gottesdienste kommen können, aber es gerne würden). Hier werden Pfarrer, Gemeindereferentin und Ehrenamtliche auch weiterhin unterwegs sein. Die Hauskommunionen bleiben (1. Freitag im Monat in Klein-Auheim, 2. Freitag im Monat in St. Nikolaus, 3. Freitag im Monat in St. Johann Baptist)! Ich werde auch versuchen, die Besuche zum 80. Geburtstag aufrechtzuerhalten; die Grüße werden auch von Ehrenamtlichen überbracht – und sind deshalb nicht weniger wertvoll, wenn es nicht der Pfarrer ist (der zumindest die Grußkarte unterzeichnet hat)!
Und dass Gruppierungen und Vereine (kfd, Kolpingfamilien, Erwachsenenbildung, Seniorenkreise, Kirchenchöre, Excelsa) ihre Angebote aufrechterhalten, ist selbstverständlich. Und wenn es mir gelingt, auch mal vorbeizuschauen – freuen Sie sich! Nach wie vor möchte ich auch in den Kindertagesstätten in unserer Pfarrgruppe präsent bleiben. So gibt es wöchentlich am Donnerstagvormittag einen Besuch bei den Leitungen der Kitas, so wird es nach wie vor auch gemeinsame Gottesdienste mit den Kindern in den Einrichtungen geben (Kindersegnung, Agapemahl zum Gründonnerstag, Feiern des Patroziniums). Inwieweit sich die Begleitung der Ministranten fortsetzen lässt, muss sich weisen – ich will mich bemühen, die Bande (vor allem mit den Minis von St. Johann) nicht ganz abreißen zu lassen, mit den beiden anderen Gruppen vielleicht sogar zu intensivieren.
Was die Zeltlagergottesdienste in der Sommerferienzeit betrifft – auch hier gilt es zu schauen, was machbar ist. Unumgänglich sind auch die verwaltungstechnischen Termine: In die Gremien Pfarrgemeinderat und Verwaltungsräte gehört der Pfarrer (in den Verwaltungsräten ist er ja sogar Vorsitzender qua Amt), die Gemeindereferentin (nur im PGR). Auch auf der Ebene des Pastoralraumes gibt es entsprechende Gremien, die die Anwesenheit aller Hauptamtlichen erfordern (Pastoralteam, Pastoralraumkonferenz, Projektgruppen). Dazu gehört auch das regelmäßige Dienstgespräch der Hauptamtlichen in der Pfarrgruppe (Pfarrer, Gemeindereferentin, Sekretariate).
Auch die Mitarbeit in dem einen oder anderen Ausschuss des PGR (Liturgieausschuss) ist mir nach wie vor wichtig und wird nicht gekürzt.
Gleiches gilt für die ökumenische Zusammenarbeit mit unseren evangelischen Geschwistern, die nicht eingestellt wird. Sowohl im Kreis der Ehrenamtlichen als auch im Kreis der Hauptamtlichen werden die gemeinsamen Treffen wahrgenommen und hin und wieder auch die entsprechenden Gottesdienste oder andere Veranstaltungen (z. B. ökumenisches Trauercafé). Auch die Repräsentation unserer Pfarrgruppe in der ACK Hanau (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) wird weiterhin erfolgen – so es der Terminkalender zulässt. Und, wie Sie es schon gewohnt sind: Telefonisch sind wir – wenn im Haus – immer ansprechbar (Pfarrer: 06181-988785; Gemeindereferentin: 06181-60564 oder 0176-34272532), per E-Mail (Pfarrer: wolfram.schmidt@stein-auheim.de; Gemeindereferentin: karola.emge-kratz@stein-auheim.de) oder auch persönlich. Doch – bitte, gewähren Sie Ihren Hauptamtlichen auch mal Pausen zum Durchschnaufen, Urlaub, Exerzitien, Fortbildungen, einen freien Tag in der Woche oder auch einfach nur mal eine Stunde im Tagesverlauf!
Wichtig bei allem Tun in den Gemeinden bleibt: Es hängt nicht alles am Pfarrer, an der Gemeindereferentin – die sind eine/einer von vielen! Viel wichtiger sind Sie, die Gemeindemitglieder; Sie bilden die Gemeinde, Sie bleiben! Wenn etwas in einer Gemeinde läuft (oder auch nicht), dann liegt das nicht vorrangig am Einsatz und der Präsenz einer Hauptamtlichen, sondern vor allem am Mittun der Gemeindemitglieder. Sie sind die lebendigen Steine, aus denen eine Gemeinde gebaut wird (vgl. 1. Petr 2,5)! Denn Sie alle sind getauft und gefirmt und haben somit Anteil am Priestertum des Herrn! Und um seine Frohe Botschaft (Evangelium) geht es im Leben einer Gemeinde. Wir alle zusammen sind aufgerufen, diese Botschaft durch unser Leben und Tun in die Welt weiterzutragen. Wagen wir es!