• Advent, Advent – die Zeit, sie rennt!

  • von Karola Emge-Kratz( Gemeindereferentin)
    Der Begriff Advent leitet sich vom lateinischen adventus ab, was einfach Ankunft bedeutet. Es geht um die Ankunft Jesu Christi, die Menschwerdung Gottes, das Hochfest der Geburt Jesu. Vier Sonntage gehen dem Weihnachtfest voraus. Das bedeutet, dass der Wochentag, auf den der 25.12. fällt, bestimmt, ob der erste Advent bereits im November liegt, wie in diesem Jahr. Die kürzeste Adventszeit haben wir immer dann, wenn Weihnachten auf einen Montag fällt, dann findet am 24.12. sowohl der vierte Advent als auch der sog. Heiligabend statt. Das ist liturgisch auf jeden Fall eine Herausforderung.
    Mit dem ersten Advent beginnt auch das neue Kirchenjahr, das alte wird am Sonntag davor mit dem Christkönigsfest abgeschlossen. Die Bezeichnung Advent entspricht auch dem griechischen Begriff epiphaneia (Erscheinung) und weist auf die Ankunft, bzw. den Besuch eines Amtsträgers, insbesondere die Ankunft von Königen oder Kaisern hin. Im Christentum wurde diese Bezeichnung übernommen, um damit die besondere Beziehung zu Jesus Christus auszudrücken.
    Ursprünglich war die Adventszeit eine Fastenzeit, die zwischen dem 11. November und dem Weihnachtstermin der alten Kirche, dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar lag. Im 7. Jahrhundert verkürzte dann Papst Gregor die Zahl der Sonntage von sechs auf vier. Nachdem sich abweichende regionale Traditionen etabliert hatten, bestätigte das Konzil von Trient (1545-1563) später diese Regelung.
    Die Adventszeit ist durch 2 Strömungen geprägt: dem endzeitlichen Motiv der Wiederkunft Christi, das eine deutliche Ausgestaltung der Tage als Zeit der Buße bedeutete. Auf der anderen Seite geht es auch um das weihnachtlich-freudige Ankunftsmotiv der Menschwerdung Gottes. Beiden Richtungen wird an den unterschiedlichen Adventssonntagen in der Liturgie Rechnung getragen. Während der erste, zweite und vierte Sonntag im Advent von der liturgischen Farbe violett (das steht für Besinnung und Umkehr) geprägt ist, führt der dritte Sonntag den Namen Gaudete! = Freut Euch!. Das entstammt dem Eingangsgesang: "Gaudete in domino semper!" – " Freut euch im Herrn allezeit!" Dieser Vers aus dem Philipperbrief sagt: Der Herr ist nahe, es dauert nicht mehr lange. Die liturgische Farbe ist Rosa, sozusagen ein aufgehelltes Violett.
    Als Erfinder des Adventskranzes gilt Johann Hinrich Wichern (1808–1881), der Gründer des Rauhen Hauses, einer der ältesten Einrichtungen der Diakonie in Deutschland. Die Idee dahinter war, die Adventszeit für die Kinder im Rauen Haus anschaulich zu machen und so die Spannung zu steigern und das Warten auf den Heiligen Abend zu gestalten. Aus einem Wagenrad, großen weißen Kerzen für die Sonntage und kleineren roten Kerzen für die einzelnen Wochentage fertigte er 1839 den ersten Adventskranz überhaupt an.
     © Anna Karina Birkenstock, aus: Wir feiern Advent. Spannendes für die schönste Zeit, S. 9, © Agentur des Rauhen Hauses Hamburg 2015. © Anna Karina Birkenstock, aus: Wir feiern Advent. Spannendes für die schönste Zeit, S. 9, © Agentur des Rauhen Hauses Hamburg 2015.
    Mit dem Entzünden jeder weiteren Kerze wächst die Helligkeit und wenn alle Kerzen entzündet sind freuen auch wir uns heute über die Geburt des Gottessohnes, der in der Gestalt einen kleinen Kindes zu uns auf die Erde kam, um das Leben jedes Menschen hell und froh zu machen. In der Adventszeit liegen auch ganz besondere Heiligenfeste wie das der Heiligen Barbara am 04. Dezember, das des Heiligen Nikolauses am 06. Dezember und das der heiligen Lucia am 13. Dezember.
    Ein besonders schöner Brauch in den Adventstagen ist die Feier der Rorate-Messen. Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem. Tauet Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor. Es handelt sich hier um den Vers 8 aus dem alttestamentlichen Buch Jesaja, Kapitel 45. Diese Gottesdienste werden nach altem Brauch nur bei Kerzenschein gefeiert und bringen in besonderer Weise die Sehnsucht nach der Ankunft Gottes in der Welt zum Ausdruck. Leider haben sich einige Adventsbräuche losgelöst von der christlichen Botschaft quasi verselbstständigt. Mit einem Markenspielzeug pro Tag für das Kind, einem teuren Kosmetikprodukt für die Frau und einem alkoholischen Getränk für den Mann (um hiermit mal alle Klischees zu bedienen) werden die Tage bis hin zum Fest des großen Konsums gezählt, um es einmal überspitzt zu formulieren. Und manche Kinder bringen es gleich auf mehrere Adventskalender: einen bei den einen Großeltern, einen bei den anderen Großeltern und natürlich noch einen zu Hause. Wenn dabei die Freude auf die Geburt Jesu außer Acht gerät, ist eine Frage nach dem Sinn und Zweck solcher Bräuche schon gestattet.
    Die ersten Lebkuchen im Supermarkt habe ich in diesem Jahr tatsächlich schon Ende August entdeckt, die Baumärkte und die Blumengeschäfte erstrahlen auch gefühlt immer früher im adventlichen Dauergeblinke und –geglitzer, so dass ich der Klimakrise und dem damit verbundenen Auftrag zum Energiesparen tatsächlich im Sinne eines richtig verstandenen Adventes etwas Gutes abgewinnen kann. Bei weniger Lichtverschmutzung ringsherum wird die erste Kerze am Adventskranz viel besser zur Geltung kommen. Ich freue mich drauf und lade Sie ein, sich vom ZU VIEL und vom ZU FRÜH zu verabschieden und somit Platz für das wirklich Wichtige und Wertvolle zu schaffen: dem kleinen Kind in der Krippe, der zur Welt gekommenen Liebe unseres menschenfreundlichen Gottes.

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