• Warum feiern wir Sonntagsgottesdienste?

  • von Wolfram Schmidt

    Über die Bedeutung und den Aufbau der sonntäglichen Gottesdienstfeiern


    (Teil 12)

    4.1.2. Die Feier des Wortes Gottes


    Grundsätzlich gilt nach wie vor: am Tag des Herrn, am Sonntag sollte sich die Glaubensgemeinschaft versammeln, um im Gedächtnis von Tod und Auferstehung des Herrn alles, was das menschliche Leben ausmacht, vor Gott bringen und beim Mahl des Herrn Stärkung für dieses Leben erhalten (vgl. Kapitel 2.1.).
    Doch inzwischen gibt es nicht nur in den Weiten der Missionsgebiete Südamerikas und Afrikas, sondern auch in unseren europäischen Regionen ein strukturelles Problem: nicht jeder gottesdienstlichen Gemeinschaft kann ein Priester vorstehen, um die Eucharistie zu feiern. Und dieses Problem wird sich in unseren Breiten in den nächsten Jahren drastisch verschärfen. Deshalb empfiehlt sogar das Kirchenrecht: Wenn wegen Fehlens eines geistlichen Amtsträgers ... die Teilnahme an einer Eucharistiefeier unmöglich ist, wird sehr empfohlen, dass die Gläubigen an einem Wortgottesdienst teilnehmen. (CIC can 1248 §2). Somit ist auch die Mitfeier einer Wort-Gottes-Feier eine sonntägliche Versammlung der Glaubensgemeinschaft, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern.
    Im Mittelpunkt einer Wort-Gottes-Feier steht - so sagt es ja schon der Name - das Wort Gottes. In diesem Wort ist der dreifaltige Gott in seiner ganzen Fülle in der Gemeinschaft der Versammelten gegenwärtig. Gottes Wort wird in dieser Feier verkündet, bedacht, erschlossen und verehrt.
    Zur Unterscheidung von der Heiligen Messe wird deshalb auch empfohlen, in einer Wort-Gottes-Feier keine Brotkommunion zu halten - vor allem dann, wenn am gleichen Tag eine Eucharistie gefeiert wird. Nur dort, wo dies nicht möglich ist, ist eine Kommunionfeier möglich.

    4.1.3. Formen der Feiern des Wortes Gottes


    Als eigenständige Form einer gottesdienstlichen Feier hat die Wort-Gottes-Feier eine eigene Gestalt erhalten, in der dem Wort Gottes begegnet wird. Sie ist somit ganz deutlich keine - um den Mahlgottesdienst (vgl. Kapitel 3.3.) - verkürzte Heilige Messe! Auch in der Wort-Gottes-Feier gibt es vier Abschnitte: in der Eröffnung tritt die Gottesdienstgemeinschaft in die Gegenwart Gottes ein - im Verkündigungsteil hört sie das Wort Gottes - in Zeichenhandlungen und dem Lobpreis antwortet die Gemeinde auf das Wort - im Abschluss wird das Wort Gottes in die Welt und den Alltag hinausgetragen.
    Anders als bei der Eucharistiefeier sind in einer Wort-Gottes-Feier die Möglichkeiten der Ausgestaltung dieser vier Grundschritte viel größer. Unterschiedlichste Variablen können jeder Wort-Gottes-Feier einen anderen Schwerpunkt geben: die Betonung der Verehrung des Wortes Gottes - die Erinnerung an die Taufe in Bezug auf das Wort Gottes - die Betonung von Bußakt und Versöhnung - eine Verbindung mit einer Lichtfeier - das gemeinsame Gebet der Tagzeitenliturgie (Psalmgebete des Morgens, Tages, Abends oder der Nacht) - die Verbindung von Wort Gottes und seines Segens - die Feier mit Kindern und Familien - die Verbindung von Wort- und Brotkommunion.

    4.1.4. Dienste in der Wort-Gottes-Feier


    Auch in der Wort-Gottes-Feier werden unterschiedliche Aufgaben auf verschiedene Personen verteilt.
    Die Leitungsfunktion kann aufgrund ihrer Sendung ein Diakon, ein Laientheologe/eine Laientheologin übernehmen, ebenso eine ehrenamtliche Person aus der Gemeinde, die - nach einer entsprechenden Schulung - mit der bischöflichen Sendung ausgestattet ist. Diese Aufgabe können alle Männer und Frauen übernehmen, wenn sie sich dazu berufen fühlen und dazu bereit sind.
    Der Leiter/die Leiterin in der Wort-Gottes-Feier übernimmt vor allem die Aufgabe, durch die Feier zu führen und Zeugnis für das Wort Gottes, für den Glauben abzulegen.
    Andere Dienste sind - wie auch in der Heiligen Messe - die Aufgaben als Lektor/Lektorin Texte vorzulesen und zu verkünden, als Vorbeter/Vorbeterin die Gemeinschaft zum Beten anzuführen, als Kantor/Kantorin Gesänge anzuleiten, als Schola und Chor eine weitergehende musikalische Mitgestaltung der Feier auszuführen, als Organist/Organistin den Gesang der Gemeinde zu begleiten, als Ministrant/Ministrantin verschiedene Hilfsdienste zu versehen, als Küster/Küsterin im Hintergrund das Notwendige bereitzustellen und vorzubereiten, als Kommunionhelfer/Kommunionhel-ferin im Falle einer Kommunionfeier bereitzustehen.

    4.2. Der Aufbau der Wort-Gottes-Feier


    4.2.1. Die Eröffnung


    4.2.1.1. Die Versammlung der Gemeinde


    Auch die Wort-Gottes-Feier beginnt mit der Versammlung der Gemeinde. Sind alle anwesend ziehen alle, die einen liturgischen Dienst versehen, in den Gottesdienstraum ein. Sie werden dabei von einem Eröffnungsgesang begleitet. Auch sie vollziehen ein Begrüßungszeichen gegenüber dem Altar und Tabernakel in Form der Verneigung bzw. der Kniebeuge.

    4.2.1.2. Die Begrüßung


    Jede liturgische Feier beginnt mit dem Kreuzzeichen, der Erinnerung, in welchem Namen alle Versammelten zusammengekommen sind.
    Der folgende liturgische Gruß unterscheidet sich von der Heiligen Messe - auch wenn er den gleichen Sinn hat, nämlich die Gegenwart des Herrn ins Bewusstsein zu rufen. Für die Wort-Gottes-Feiern stehen mehrere Grußformeln zur Verfügung:
    • Der Name des Herrn sei gepriesen. - Von nun an bis in Ewigkeit.
    • Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. - Der Himmel und Erde erschaffen hat.
    • Der Herr ist in unserer Mitte. - Er ist wirklich unter uns.
    Anschließend gibt es eine Einführung, in der in kurzer Form das Thema der Feier zur Sprache gebracht wird. Dieses Thema ergibt sich - wie auch in der Heiligen Messe - aus den Texten der Schriftlesungen oder aus dem Inhalt des Festtages, der begangen wird.

    4.2.1.3. Die Christusrufe (Kyrie-Litanei)


    Der Einführung folgt nun der Huldigungsruf an den anwesenden Herrn Jesus Christus. Dieser kann in Form des dreifachen Rufes Kyrie eleison - Christe eleison - Kyrie eleison erfolgen.
    In der Wort-Gottes-Feier wird der Charakter des Kyrie-Rufes als Huldigungsruf viel deutlicher als in der Eucharistiefeier - ist doch das Schuldbekenntnis von diesem Ruf gänzlich abgekoppelt. In diesem Ruf wird Jesus Christus als der Herr der Welt (Kyrios) verehrt, gepriesen und bekannt.
    An dieser Stelle können auch verschiedene Jesus-Litaneien die Huldigung aussprechen.

    4.2.1.4. Eröffnungsgebet


    Nach der gewohnten Formel Lasset uns beten ist nun die gesamte Gemeinde eingeladen, in Stille die persönlichen Anliegen im Gebet vor den Herrn zu bringen. Diese Anliegen werden dann zusammengefasst in dem Gebet, das der Vorsteher/die Vorsteherin laut für alle spricht. Ihre Bestätigung des Gebets gibt die Gemeinde abschließend durch ihr Amen.
    Fortsetzung folgt...

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